Don't look back

 

„Coco!!!“

 

„Mmmh?“

 

„Nimm sofort die Stöpsel aus den Ohren. Es ist höchste Zeit!“

 

„Wofür?“

 

„Natürlich für den Jahresrückblick!“

 

„Och nö, MinDrago. Solche Sendungen sehe ich nicht gern. Da wird einem nochmal klar, wieviel Scheußliches passiert ist und wer alles gestorben ist. Nein danke.“

 

„Boah – doch nicht im Fernsehen! Du sollst selbst einen Jahresrückblick schreiben.“

 

„Fällt mir im Traum nicht ein! Das ist ja noch schlimmer. Nope!“

 

„Du kannst ja einen positiven Rückblick machen – du erinnerst dich nur an die schönen Sachen… wie wär’s?“

 

„Das wird dann wohl eher ein Telegramm. Oder maximal ein Tweet.“

 

„Quatsch! Sei doch nicht immer so pessimistisch. Versuch’s einfach mal! Also – was war gut im letzten Jahr?“

 

„Meine London-Reise mit Aspine! Das war toll! Endlich konnte ich ihr mal meine Herzensstadt zeigen! Und sie war genauso begeistert wie ich. Das war superschön!“

 

„Na siehst du – geht doch! Und weiter!“

 

„Das war’s schon. Oder nein, warte mal. Ein langer Kampf ist endlich zu Ende gegangen. Ein Kampf, von dem ich von Anfang an gar nicht wusste, ob ich ihn überhaupt führen wollte. Der sich dann verselbständigt und mir alle meine Energie geraubt hat und den ich am Ende eigentlich nur noch für andere geführt habe. Ich habe verloren, aber meine Freiheit wiedergewonnen.“

 

„Freiheit – schönes Thema! War da nicht noch was im letzten Jahr?“

 

„Stimmt. Unabhängigkeit. Finanziell und innerlich. Ich habe zwei Menschen loslassen können, die mir nur geschadet und mich kleingemacht haben. Und dafür andere Menschen gefunden, die mein Leben bereichern. Alte Freunde neu entdeckt, neue Freunde getroffen.“

 

„Siehste! Eigentlich ist doch eine Menge Gutes passiert. Die Todesfälle, die es ja leider auch gab, lassen wir jetzt mal weg.“

 

„Und was ist mit Krankheiten? Depressionen? Meltdowns? Scheidungsanwälten und Drohungen und –„

 

„Och menno, Coco – mach doch nicht alles wieder kaputt. Ist doch wurscht. In einem positiven Jahresrückblick hat so was nichts zu suchen.“

 

„Okay… machen wir denn auch noch einen negativen Rückblick?“

 

*haareraufend* „Nein!!! Du hast den Sinn dieser Übung nicht kapiert!“

 

„Oh.“

 

„Du bist unverbesserlich. Mach mal was, das dich aufmuntert. Geh spazieren.“

 

„Och nö, das sieht doch ganz übel nach Regen aus. Außerdem weiß ich nicht, wohin ich gehen soll. Und – he, MinDrago, komm sofort wieder her!“

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Daniel Rehbein (Donnerstag, 05 Januar 2017 21:34)

    Es erstaunt mich immer wieder, wie selbstverständlich bei vielen Begriffen an das Fernsehen gedacht wird. Mehr noch als hier bei dem Begriff "Jahresrückblick" fällt mir das auf bei dem Begriff "Serie". In Blogs und Tweets lese ich immer wieder Formulierungen wie "Meine Lieblingsserien..." oder Fragestellungen der Art "Was sind Eure Lieblingsserien?". Und jedes Mal werden dann ausschließlich Fernsehserien genannt - obwohl doch ganz allgemein nach Serien gefragt wurde.

    Erinnert sich niemand mehr an seine Kindheit, zum Beispiel an die Serien von Lego, "Legoland Stadt", "Legoland Raumfahrt", "Fabuland". An Bücherserien wie "Fünf Freunde" oder "Drei Fragezeichen"?

    Wenn ich meine Lieblingsserie benennen sollte, dann wäre meine Antwort "Industrie und Technik". Diese Serie ist zwar schon ein paar Jahrzehnte alt, aber von allem, was unter den Begriff "Serie" fällt, gefällt sie mir immer noch am Besten.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Industrie_und_Technik_(Briefmarkenserie)

    Bei dem Begriff "London" kann ich auch ins Schwärmen geraten. Das ist bei mir schon wieder 15 Jahre her, daß ich zuletzt dort war. Aber ich lese die Nachrichten und Wikipedia-Artikel, wie die Docklands Light Railway ausgebaut wird, daß es zur London Unterground inzwischen Eisenbahnstrecken unter dem Überbegriff London Oberground gibt, und ich denke mir, daß ich gerne mal wieder dorthin und einfach mal richtig intensiv umherfahren möchte.

    Herzchaosmama sammelt gerade Spenden dafür, daß ihr Herzenskind nach England fahren kann. Es ist wirklich schade, daß es vom Geld abhängt, ob ein Kind diese Erfahrung machen, wo doch gerade die Kenntnisse der englischen Sprache heutzutage besonders wichtig sind.
    https://herzlichchaotisch.wordpress.com/