Neben der Spur

 

„Uih – Kakao und Waffeln! Lecker! Gibt es was zu feiern, Coco?“

 

„Ja, liebe Bestie. Meinen neuen Laptop.“

 

„Ein neuer Laptop? Geil! Wo ist er???“

 

„Na hier, auf dem Schreibtisch.“

 

„Häh? Das ist doch der alte. Mit der verkrümelten Tastatur und dem Katzenaufkleber.“

 

„Ja. Aber jetzt gehört er mir.“

 

„Wem gehörte er denn vorher? Der Bank? Sag bloß, du hast sooo lange gebraucht, das Ding abzuzahlen.“

 

„Nö. Ich habe gar nix dafür bezahlt. Es ist – verzeihung: war – ein Dienstlaptop. Hat mein Arbeitgeber bezahlt. Weil ich früher viel zu Hause gearbeitet habe. Da war das praktischer.“

 

„Und jetzt hast du dein eigenes Büro und brauchst es nicht mehr?“

 

„Fast. Öh…na ja…also eigentlich war es so, dass mir unser IT-Mann ein bisschen aufs Dach gestiegen ist. Er hat gesehen, dass auf diesen Rechner überdurchschnittlich viele Angriffe aus dem Netz zu verzeichnen waren.“

 

„Mehr als bei den anderen? Ihr habt doch sehr viele Mitarbeiter.“

 

„Ja. Ein bisschen mehr…“

 

„Spuck’s aus! Sofort!“

 

„Also – es waren ungefähr 2000 mehr. Peinlich. Konnte ich natürlich damit erklären, dass ich als PR-Referentin gaaanz viel im Internet recherchieren muss. Aber trotzdem fand der gute Mann das nicht so richtig lustig.“

 

„Ich verstehe. Und jetzt musst du selbst einen neuen Laptop nur für die Arbeit kaufen und den verseuchten bezahlen. Schöne Scheiße. Was gibt’s denn da zu feiern?“

 

„Du bist einfach zu pessimistisch, lieber MinDrago. Es läuft vielmehr so: Ich bekomme einen nagelneuen PC fürs Büro, da ich ja jetzt meistens vor Ort arbeite. Und den Laptop hat man mir für einen symbolischen Preis privat überlassen.“

 

„WTF??? Du wirst noch dafür belohnt, dass du das Virenmutterschiff spielst? Moment – kann man daraus ein Erfolgsmodell machen? Dienstwagen? Dienstwohnung? Oder nein– ich hab’s – einen Dienst-Festplattenrekorder!“

 

„Wozu das denn? Wir haben doch einen.“

 

„Ja, aber der zickt dauernd rum. Wenn man spult, sind hinterher Ton und Bild nicht mehr ganz synchron.“

 

„Macht doch nix, MinDrago. Ist wie im echten Leben. Da bin ich auch immer ein bisschen neben der Spur. Mein Smalltalk? Immer ein bisschen steifer als bei anderen. Begrüßungen? Statt Umarmung und Bussi maximal ein Händeschütteln. Neben mir parkt immer die Kollegin in ihrem blitzblanken roten Kleinwagen mit Duftbäumchen, Schutzengel und Regenschirm mit Rüschen. Mein alter Micra ist griesegrau, total vermüllt und hat eine Beule, weil ich bei einem Termin am Arsch der Welt einen blöden Poller übersehen habe. Am Rückspiegel hängt ein kleiner Häkel-Tod mit Sense, und hinten drin sind vermatschte Gummistiefel für die Besuche auf dem Pferdehof. Der Nachwuchs der Kollegen tanzt Ballett und spielt Tennis. Mein Nachwuchs sammelt Reptilien und verbringt nach einem Spinnenbiss schon mal eine Nacht auf der Intensivstation. Im Vorgarten der Nachbarn steht ein putzige Igel mit Schubkarre, in meinem liegt ein Gartenzwerg mit Messer im Rücken. Noch Fragen? Das ‚Neben-der-Spur-Laufen‘ ist quasi mein Markenzeichen. Von daher ist der alte Rekorder doch genau richtig. Und nun entspann dich und iss die Waffeln, bevor sie kalt – hee! Wo sind die Waffeln?“

 

„Du follteft keine Monologe halten. Ef ifft aber noch Kakao da.“

 

„Na dann Prost – auf unser Leben neben der Spur!“

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Daniel Rehbein (Freitag, 21 Oktober 2016 21:49)

    Ich verstehe den Sachverhalt nicht. Wieso finden Angriffe aus dem Netz auf den Rechner statt, wenn er intensiv genutzt wird? Der Rechner bekommt doch durch intensive Internet-Nutzung nicht plötzlich eine öffentliche IP-Adresse, so daß er auf einmal von außen erreichbar wäre.

    Was bei intensiver Nutzung häufiger passieren kann, ist, daß man Dokumente oder Webseiten lädt, die aktuelle Sicherheitslücken für Schadsoftware ausnutzen wollen. Aber das wären ja keine Angriffe aus dem Netz auf den Rechner, sondern lokal auf dem Rechner stattfindende Angriffe durch bereits heruntergeladenen Code. Und es müsste sich dann ja der Administrator vorhalten lassen, daß er die Software nicht aktuell hält.