Klebriger Kuchen und kitschige Aktionen

 „Was war das denn für ein Lärm, Coco?“

 

 „Ach, nix. Ich habe nur Honigkuchen gebacken.“

 

„Mit der Axt???“

 

„Es ist Tradition, dass ich beim weihnachtlichen Honigkuchenbacken irgendetwas schrotte. Der Teig ist furchtbar klebrig und zentnerschwer. Letztes Jahr hat es die Knethaken erwischt. Davor das Jahr zwei Holzlöffel. Und diesmal hat es leider der Teigschaber nicht überlebt – der Stiel ist abgebrochen.“

 

„Wow - Amok-Backen. Warum hast du trotzdem gute Laune?“

 „Weil ich heute etwas Spaßiges gemacht habe.“

 

„Erzähl!“

 

„Also, ich musste heute noch einige Sachen einkaufen. Lebensmittel, ein Geschenk, und ich musste noch zur Post. Ich hatte mich für das Schlimmste gewappnet – einen Tag vor Heiligabend. Und dann kam es irgendwie anders als ich befürchtet hatte.“

 

„Inwiefern?“

 

„Es war überall sehr voll, aber gar nicht so stressig wie ich erwartet hatte. Und als ich meine Briefmarken bezahlt habe, habe ich etwas in meiner Tasche gefunden.“

 „Das Übliche? Alte Schokoriegel? Zerknüllte Taschentücher? Ausgelaufene Creme-Pröbchen?“

 

„Sehr lustig, MinDrago. Nein – ich habe mehrere kleineSchoko-Weihnachtsmänner gefunden. Ich hatte sie für die Kollegen im Büro gekauft. Aber irgendwie war am letzten Tag niemand mehr da, alle hatten schon Urlaub.  Und da ist mir eine Idee gekommen.“

 „Lass mich raten – du hast den Einkauf geschmissen und die Dinger alle selbst verdrückt?“

 

„Nein, meine liebe Bestie, das hättest DU getan. Mir fiel ein, wieviel Lob und nettes Feedback ich in diesem Jahr für meine Jobs bekommen habe.“

 „Hä? Meistens bist du als Zombie zur Arbeit gewankt, weil es dir andauernd mies ging. Oder du bist auch mal ganz im Bett geblieben.“

 

„Na ja, so ganz habe ich es auch nicht verstanden. Irgendwas muss ich wohl trotzdem richtig gemacht haben. Mein Chef hat mir persönlich gedankt, die Vorstandssitzung hat die Websites und den Newsletter gelobt, ein lokales Theater hat mich zum Jubiläum eingeladen und ich habe nette Leserbriefe bekommen. Und dann habe ich kurz vor Jahresende noch die Zusage bekommen, dass ich demnächst für eine überregionale Zeitung arbeiten kann. Und obwohl - oder vielleicht gerade weil - das Jahr ziemlich horrormäßig war, hat mich das alles sehr gefreut.“

 „Ja, sehr spannend (gähnt)…was hat das mit den Schoko-Männern zu tun?“

 

„Ganz einfach – ich dachte mir, dass andere Menschen sich auch freuen, wenn man ihre Arbeit anerkennt. Also habe ich die Weihnachtsmänner auf meiner Tour verteilt. Der nette Mann in der Postfiliale hat einen bekommen. Bei allem Stress bleibt er immer freundlich. Und ich darf immer seinen wuscheligen Hund streicheln. Die Nächste war die Kassiererin im Supermarkt, die dem alten Mann vor mir in der Schlange so lieb geholfen hat, seinen Einkauf zu verstauen. Und am meisten hat sich der Mann gefreut, der immer vor dem Supermarkt die Obdachlosen-Zeitung verkauft. Es hat mich sehr viel Überwindung gekostet. Und ich kam mir auch total blöd dabei vor. Aber es war okay."

 

„Ach du Scheiße - wie kitschig ist das denn? Nächstenliebe vor Weihnachten? Was kommt denn noch? Kirchgang am Heiligabend? Märchenstunden für Kinder? Einsatz in der Suppenküche?“

 „Alter Zyniker. Aber ich habe dich längst durchschaut – irgendjemand hat nämlich mein Paypal-Konto benutzt, um eine Spende an das Tierheim und an die Tafel zu überweisen.“

 

„Öh…das war ich nicht. Das war…“

 

„Ja, schon gut. Hier, der letzte Schoko-Weihnachtsmann ist für dich. Du hast auch gute Arbeit geleistet dieses Jahr. Trotz der Zwangspause im Frühling und Sommer haben alle Fans unseres Blogs uns die Treue gehalten. Und viele neue sind dazu gekommen. Das ist dein Verdienst. Und jetzt kau zuende, und dann schauen wir Christmas Carol mit Patrick Stewart. Und essen ein Stück Honigkuchen.“

 „Film ja – Kuchen nein. Ich möchte nicht, dass meine Zähne dasselbe Schicksal erleiden wie der Teigschaber.“

 

„Vanillekipferl?“

 

„Gebongt!“

 

 

 Euch allen schöne Weihnachten!

 

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