Im freien Fall

„Du, MinDrago?“

„Mmh?“

„Du schaust doch so gerne alte Zeichentrickfilme, wie Tom und Jerry. Kennst du das, wenn eine Figur vor etwas wegrennt oder jemanden jagt und dabei über den Rand einer Klippe läuft?“

„Ja klar. Sie läuft dann noch einige Schritte durch die Luft, stoppt dann, sieht nach unten, und wenn sie merkt, dass da kein fester  Boden mehr ist, fällt sie. Immer wieder gern gesehen.“

„Bei mir ist es genauso.“

„Wie meinst du das?“

„Ich renne immer drauflos. Ohne nachzudenken. Zumindest, wenn es um Gefühle geht. Und dann ist es egal, ob es Wut ist oder Angst oder Liebe. Erstmal losstürmen. Ein Pickel im Gesicht? Das ist Hautkrebs – also ab zum Spezialisten, der dann gefühlte dreihundert Untersuchungen macht, um am Ende festzustellen, dass es ein Pickel ist. Wütend auf jemanden? Erstmal eine böse Mail schreiben und alles raus lassen. Verliebt? Gehirn abschalten, losrennen, jeden Mist glauben. Und am Ende steht immer der freie Fall. Irgendwann siehst du nach unten und merkst, dass du viele Schritte zu weit gegangen bist. Und die anderen, die ‚normalen‘ Menschen, sind artig am Rande des Abgrundes stehengeblieben und sehen dir verständnislos hinterher, wenn du fällst.“

„Sehr bildlich ausgedrückt. Und ich gebe zu – der Vergleich hat was. Ich erkenne dich darin in gewisser Weise wieder.“

„Ja – nur im Zeichentrickfilm ist es lustig. Im echten Leben nicht so. Man verletzt damit andere und sich selbst. Ich kann Gefühle sehr schlecht filtern, das ist genauso wie bei Reizen von außen. Die anderen merken gar nichts, und ich drehe fast durch, weil es irgendwo piept, eine Lampe flackert oder es nach Bratwurst riecht. Andere Menschen haben ihre Gefühle einfach oft besser unter Kontrolle. Oder vielleicht empfinden sie sie auch einfach nicht so heftig wie ich. Man kann das ja leider nicht vergleichen. Auf jeden Fall kann ich oft überhaupt nicht voraussehen, wie das, was ich mache, beim anderen ankommt. Und dann bin ich ganz fassungslos, wenn ich merke, dass ich Mist gebaut  habe und die Reaktion anderer Menschen total falsch eingeschätzt habe.“

„Warst du nicht letztens bei einem Meditations-Workshop? Wie zur Hölle bist du da eigentlich gelandet – war das beruflich?“

„Nein. Ich hatte eine Wette verloren. Das war ganz interessant da. Ein sehr charismatischer Mensch mit höchst angenehmer Stimme hat uns die Grundzüge der Meditation erklärt und auch mit uns durchgeführt. Das war faszinierend! Wenn man darin geübt ist, soll es einem angeblich die Fähigkeit verleihen, die eigenen Gefühle distanziert betrachten und entscheiden zu können, welche man zulässt und welche nicht.“

„Klingt doch perfekt für Dich! Und? Klappt es?“

„Nicht wirklich. Ich kann mich nicht konzentrieren. So was ist extrem schwierig für mich. Ich habe in der Klinik immer die Flucht ergriffen, wenn progressive Muskelentspannung oder, noch schlimmer, ‚Traumreise‘ auf dem Programm stand. Die Leiterin hatte einen schrecklichen Dialekt und hat die Anweisungen immer  falsch betont, eine Qual. Und meine Reise führte mich immer eher in den siebten Kreis der Hölle. Aber Meditation ist ja etwas anderes, ich denke, ich werde mal weiterüben.“

„Und wenn es nicht klappt, lebst du halt weiter dein Tom-und-Jerry-Leben. Dann wird es wenigstens nicht langweilig.“

„Vielen Dank für die nette Unterstützung, MinDrago. Ich denke aber, ich kann mich da noch steigern.“

„Steigern? Inwiefern?“

„Itchy und Scratchy.“

 


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Kommentare: 11
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