Wir sind Autismus!

"Du, Hexe?"

"Ja, MinDrago?"

"Was sind wir eigentlich? Also wir beide? Eine Familie? Eine Wohngemeinschaft? Eine Interessengemeinschaft?"

"Ganz einfach, MinDrago: Wir sind Freunde!"

"Das klingt gut! Gefällt mir!"

"Und wir sind auch das hier - schau mal!"

 

Hexe hält mir ein buntes Logo unter die Nase. Kenne ich noch gar nicht...was steht da?

 

"'Wir sind Autismus'. Ja klar, das ist ja eigentlich nix Neues, Hexe. Schönes Logo übrigens."

"Ja, finde ich auch. Und neu ist das irgendwie schon. Es ist eine Aktion, bei der Autisten selbst zu Wort kommen sollen. Viel zu häufig wird nämlich nicht mit, sondern nur über Autisten gesprochen. Und dabei kann dann auf lange Sicht eine Menge Unsinn erzählt werden."

"Boah - solche Sachen wie fehlender Blickkontakt und so was?"

"Ja, zum Beispiel. Aber auch durchaus noch blödere Sachen. So nach dem Motto 'Hey, wenn Sie sprechen können, sind Sie kein Autist.'"

"Mmh, weißt Du noch, am Anfang, direkt nach Deiner Diagnose, hast Du oft solchen Unsinn zu hören bekommen."

"Ja, daran kann ich mich gut erinnern. Das war schlimm, ein totales Wechselbad der Gefühle. Zuerst war ich froh, endlich eine Erklärung für mein Anderssein zu bekommen. Und wenn ich dann von der Diagnose erzählt habe, kamen ungläubige Reaktionen. Das hat mich furchtbar verunsichert und ich habe die Diagnose angezweifelt. Und noch mehr Unsicherheit war in dieser Situation wirklich das Letzte, was ich gebrauchen konnte. Es hat lange gedauert, bis ich da Sicherheit gewonnen und meinen eigenen Weg gefunden habe. Und deshalb weiß ich nur zu genau, wie wichtig es ist, Vorurteile abzubauen und jede Art von Schubladendenken zu vermeiden."

 

"Erinnerst du dich - die Reaktionen auf deinen Vortrag? Als du bei einer Veranstaltung deinen Alltag aus Sicht einer Autistin geschildert hast? Du hast damals doch ausschließlich positive Reaktionen bekommen, oder?"

"Ja, das ist richtig. Sehr viele Menschen haben mir gesagt, dass es hilfreich und informativ war, einen solchen Einblick aus erster Hand zu bekommen. Und es ist sehr schade, dass gerade die größte Vereinigung, Autismus Deutschland e.V., nicht die Chance nutzt, Autisten viel stärker selbst zu Wort kommen zu lassen. Ich mag nicht mehr als 'Betroffene' oder sogar als 'gestört' bezeichnet werden."

"'Gestört'? Das ist ja heftig! Erinnert mich an das nette Wortspiel mit 'behindert'."

"Genau - das gilt auch hier: Gestört ist man nicht, gestört wird man. Und statt gestört zu werden, möchte ich, wie viele andere Autisten, lieber gehört werden."

 

"Was summst du da vor dich hin, Hexe?"

"Ein schönes Lied, das ich noch aus der Sendung mit der Maus kenne. Der Refrain lautet: 'Ich bin ein Kind ohne Hemd und Hose, Vorname Blech, Nachname Dose.'"

"Wie kommst du denn jetzt darauf?"

"Ganz einfach, liebe Bestie. Manche Dosen bestehen aus Blech, und manche reden Blech. Zumindest streckenweise."

"Sehr kryptisch..."

"Meinst du? Dann schau mal HIER."

"Oh - ich verstehe. Weißt du was? Lass uns in den verbalen Kampf ziehen gegen diese Blechbüchsenarmee!"

"Gute Idee! Kommando "Rolle, roll, roll!'"

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Aspie im Labyrinth (Montag, 27 Oktober 2014 19:04)

    Findet Ihr das, was Prof. Dose schreibt, wirklich ... also das soll Blech sein?

    Na klar, kann ich sagen, die anderen ( wer überhaupt? ) stören mich - und ich denke das seeeeehr oft von Menschen und Dingen, z.B. brummende Lampen, säuselnde Lüfter, extrem pafümierte Damen ( oder, die sich dafür halten ) und in tiefster Nacht schwer studieren....grölende Studenten - aber dass ich gestört bin, das weiß ich, wissen sogar meine Freunde und es steht sogar auf meiner Kaffeetasse.

    ;-)