Gedisst!

"Schlecht drauf, Hexe?"

"Ja und nein."

"Fangen wir mit dem 'ja' an."

"Ich habe heute offiziell meine Promotion geschmissen."

"Waaas? Dein Lieblingsprojekt? Dein einziger 'Job mit Hirn', wie du ihn immer nennst? Bist du wahnsinnig?"

"Nein. Pleite. Nach diversen Umwälzungen in meinem Leben kann ich mir soviel unbezahlten Zeiteinsatz einfach nicht mehr leisten."

"Boah - das ist bitter!"

"Such is life. Hätte ich mir halt früher überlegen müssen."

 

"Jetzt bin ich aber gespannt auf das 'Nein'. Das muss schon elementar sein, um diesen Verlust auszugleichen."

"Ja, ist es. Halt' dich gut fest - ich habe festgestellt, dass ich das habe, was man 'Freunde' nennt. Und zwar mehr als ich dachte."

"Wow! Mehr als zwei?"

"Ja. Das Sprichwort stimmt: Amicus certus in re incerta cernitur."

"Wenn du glaubst, mich damit in Verlegenheit zu bringen, muss ich dich enttäuschen. Ich beherrsche die lateinische Sprache. Den wahren Freund erkennt man in der Not."

"Ganz recht. Und genauso ist es. Als ich gedacht habe, ich stünde ganz allein und bis zum Hals im Wasser, sind sie aufgetaucht. Mein bester Freund, der mir Nachrichten aus allen Ecken der USA schickt. Kollegen, die nicht viel fragen, aber mir Kuchen nach Hause bringen. Alte Schulfreunde, die seitenlange Aufmunterungsmails schreiben. Meine Ex-WG-Männer haben sich als edle Ritter erwiesen, die mich mit handgebrühtem Kaffee versorgt und sich angeboten haben, für mich kriminell zu werden und auf Wunsch Autos zu zerkratzen oder handgreiflich zu werden. Wobei die beiden letzteren Angebote nicht ganz ernst gemeint waren, mir aber immerhin ein Lächeln abgerungen haben. Und auch Leute, die ich gar nicht persönlich kenne, haben mir nette Worte geschickt. Leser unserer Website und Follower auf Twitter. Die selbst im Labyrinth stecken und wissen, wie schwierig das sein kann."

 

"Das klingt nach einem wärmenden Mantel für jemanden, der nackt im Wind steht."

"Allerdings! Und die wichtigsten sind da noch gar nicht dabei: Meine Lieblings-Aspine, die mit Star Wars-Dauerbeschuss dafür sorgt, dass die dunkle Seite der Macht sich nur auf dem Bildschirm und nicht in meinem Kopf breitmacht. Meine beiden dicken Kater, die mich nachts im Bett vollschnurren. Und meine Bestie, die immer an meiner Seite ist. MinDrago - du wirst ja rot!"

"Äh, ich? Nein, kann gar nicht sein! Aber was ist mit dem allerbesten Freund? Der dir versichert hat, immer für dich da zu sein, mit dir durch Dick und Dünn zu gehen und der Fels in der Brandung zu sein?"

"Der ist als Einziger weg. Er hatte seine Standfestigkeit wohl etwas überschätzt und ist bei der ersten hohen Welle untergegangen. Oder abgetaucht."

"Scheiß drauf! Und auf die Dissertation auch! Lass uns den Kuchen von deinen Kollegen essen. Und auf die Freundschaft trinken. Und diejenigen bedauern, die nicht wissen, was das ist."

"Das mit dem Kuchen wird schwierig. Die Kater haben die Sahne abgeschlabbert..."

"Tja...für Freunde muss man auch mal Opfer bringen. Dann essen wir halt Schokolade."

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Kommentare: 1
  • #1

    Aspie im Labyrinth (Sonntag, 19 Oktober 2014 19:14)

    Rand-bemerkung: "Warmer Toast mit Nutella. Und Katzen. Hilft."

    Wer hat das geschrieben?

    Das stimmt auf je-den Fall :-)))

    Hmmmmm....