Hund mit Behinderung?

"Du, MinDrago?"

 

Oh - Hexe spricht mit mir! Nach zwei Tagen Schweigen und Schaukeln auf dem Sofa! Jetzt bloß nichts falsch machen!

 

"Ja, Hexe?"

"Ich glaube, ich bin vielleicht doch eher ein behinderter Hund als eine Katze."

"Ich nehme an, diese für Uneingeweihte eher kryptische Bemerkung bezieht sich auf das Bild vom 'Autistic Pride Day', das du auf deiner Kinderseite zum Thema Asperger abdrucken durftest?"

"Ja."

"Und wie kommst du darauf?"

"Ich habe mein ganzes Leben unter Hunden verbracht. Im übertragenen Sinn natürlich. Und ich habe alles getan, um nicht aufzufallen. Habe mit dem Schwanz gewedelt, wenn die anderen das gemacht haben, habe mit dem Rudel geknurrt und bin Stöcken hinterher gelaufen, die mich eigentlich nicht interessiert haben."

"Und dann?"

"Dann kam ein kluger Mensch mit Doktortitel und hat gesagt, dass ich mich dauernd so scheiße fühle, weil ich eigentlich eine Katze bin."

"In der Tat ein kluger Mensch. Warum glaubst du ihm nicht einfach?"

"Ich weiß nicht. Vielleicht war ich einfach zu lange ein Hund. Und vielleicht möchte ich lieber ein behinderter Hund bleiben als mich dauernd einsam zu fühlen."

"Korrekt müsste das übrigens heißen 'ein Hund mit Behinderung'. Aber mal ehrlich, Hexe, als Hund warst du doch auch meistens einsam, oder?"

 

Hexe überlegt.

 

"Ja, aber anders einsam. Da habe ich immer gedacht, wenn ich mir nur mehr Mühe gebe, wird noch ein richtig guter Hund aus mir. Und jetzt weiß ich halt, dass das nicht funktionieren wird."

"Dann gib dir doch jetzt einfach Mühe, eine erstklassige Katze zu werden. Du bist doch eh den ganzen Tag mit den Biestern zusammen. Und die ganze Nacht. Hör auf, dich in der Ecke zu verkriechen und zu winseln und zeig stattdessen mal die Krallen und üb' ordentlich fauchen!"

"Ich werde mal drüber nachdenken."

"Schön! Dann bekommst du als Belohnung auch ein Tellerchen mit Sahne."

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Aspie im Labyrinth (Mittwoch, 17 September 2014 07:55)

    "Habe mit dem Schwanz gewedelt, wenn die anderen das gemacht haben, habe mit dem Rudel geknurrt und bin Stöcken hinterher gelaufen, die mich eigentlich nicht interessiert haben. [...] wenn ich mir nur mehr Mühe gebe, wird noch ein richtig guter Hund aus mir. Und jetzt weiß ich halt, dass das nicht funktionieren wird."

    Dass tun übrigens seeeeehr viele "Hunde mit Normierung" ... aber erschütternd ist das schon. Für mich brach eine Welt zusammen als ich bemerken musste: Das Stöckchen in meinem Mund ... äh ... Maul interessiert mich nicht.